Yoga in der Schwangerschaft: Was tut mir heute gut?
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Manchmal ist es gar nicht ein einzelnes Ereignis, das uns stresst. Es ist einfach alles zusammen.
Das Handy klingelt, während nebenbei noch eine Nachricht beantwortet werden muss. Im Büro läuft ein Gespräch, irgendwo telefoniert jemand, zu Hause wartet der nächste Termin. Dazu Geräusche, Menschen, Entscheidungen, Informationen. Vieles davon ist für sich genommen kein Problem. Aber irgendwann fühlt es sich an, als wäre einfach kein Platz mehr für noch einen weiteren Reiz. Vielleicht kennst du diesen Moment: Du kommst nach Hause und möchtest eigentlich nur deine Ruhe haben. Aber selbst das fühlt sich nicht sofort erholsam an. Du bist gereizt, kannst dich schlecht konzentrieren oder merkst, dass du körperlich angespannt bist.
Das muss nicht bedeuten, dass etwas Schlimmes passiert ist. Manchmal war es einfach ein langer Tag mit sehr vielen Eindrücken.
Unser Nervensystem verarbeitet ständig Informationen aus unserer Umgebung und aus unserem eigenen Körper. Das ist grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Schwierig kann es werden, wenn zwischen den vielen Eindrücken kaum Möglichkeiten entstehen, wieder zur Ruhe zu kommen. Gerade dann merken wir oft erst spät, wie viel eigentlich zusammengekommen ist. Vielleicht sitzt du schon seit Stunden mit hochgezogenen Schultern am Schreibtisch. Vielleicht atmest du flacher als sonst. Vielleicht bist du müde, aber gleichzeitig unruhig. Oder du merkst erst am Abend, dass du heute eigentlich den ganzen Tag angespannt warst. Und manchmal braucht es dafür nicht einmal einen besonders stressigen Tag.
Für manche Menschen sind Geräusche, Licht, Menschenmengen oder viele gleichzeitige Anforderungen besonders anstrengend.
Yoga nimmt die Reize des Alltags natürlich nicht weg. Die E-Mails sind danach nicht beantwortet und die Einkaufsliste verschwindet auch nicht. Aber eine Yogastunde kann einen bewussten Wechsel schaffen. Für eine Weile gibt es weniger Entscheidungen. Du musst nicht überlegen, was als Nächstes kommt. Du bewegst dich, atmest und richtest deine Aufmerksamkeit immer wieder auf das, was du gerade tust. Genau diese Rückkehr zum eigenen Körper kann hilfreich sein. Nicht unbedingt, weil du nach 60 Minuten plötzlich vollkommen entspannt bist. Sondern weil du überhaupt wieder bemerkst, wie es dir gerade geht.
Vielleicht stellst du fest, dass deine Schultern angespannt sind. Vielleicht wird dein Atem ruhiger. Vielleicht merkst du, dass du eigentlich müde bist und heute weniger brauchst, als du gedacht hast. Diese Wahrnehmung ist ein wichtiger Teil der Yogapraxis.
Wenn wir von Stress und Reizüberflutung sprechen, klingt die Lösung schnell nach: weniger machen, weniger erleben, mehr Ruhe. So einfach ist es aber nicht. Manchmal tut Bewegung gut. Nach einem langen Tag kann es angenehmer sein, den Körper erst einmal wieder zu spüren, anstatt sich direkt auf die Couch zu legen. Ein anderes Mal ist genau das Gegenteil richtig und eine ruhigere Praxis fühlt sich besser an. Deshalb gibt es auch keine bestimmte Yogaeinheit, die für jeden stressigen Tag funktioniert. Entscheidend ist eher, wahrzunehmen, was gerade fehlt.
Brauche ich Bewegung? Brauche ich Ruhe? Brauche ich einen Moment ohne neue Informationen?
Das lässt sich nicht immer im Voraus beantworten. Manchmal merkt man es erst, wenn man anfängt.
Vielleicht ist genau das auch der Grund, warum ich meinen Unterricht nicht mit möglichst vielen Reizen füllen möchte.
Ich muss nicht jede Sekunde sprechen. Nicht jede Haltung braucht eine Korrektur. Und nicht jede Pause muss sofort mit der nächsten Ansage gefüllt werden.
Auf der Matte darf auch einmal nichts passieren.
Du darfst dich bewegen, ohne ständig darüber nachzudenken, ob es gerade perfekt aussieht. Du darfst eine Pause machen. Und du darfst wahrnehmen, was dein Körper dir heute mitteilt. Denn Yoga kann den Alltag nicht leiser machen. Aber vielleicht kann es dir helfen, für einen Moment wieder etwas mehr bei dir anzukommen.
Und manchmal ist genau das die Pause, die gefehlt hat.
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Sabrina Öttl, Yogalehrerin und Gründerin von yogaherz. Yoga für Menschen und Teams, die ihre innere Stabilität stärken, Stress reduzieren und bewusster im Alltag ankommen möchten.